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Pannenserie bei¬†Regierungsfliegern: Ministerium pr√ľft, ob Lufthansa-Tochter Wartungsfehler gemacht hat
SPIEGEL
Sat, 20 Apr 2019 21:40

Pannenserie bei¬†Regierungsfliegern: Ministerium pr√ľft, ob Lufthansa-Tochter Wartungsfehler gemacht hat

SPIEGEL
Sat, 20 Apr 2019 21:40

Der Beinahe-Absturz eines Regierungsfliegers hat Folgen.

Pannenserie bei¬†Regierungsfliegern: Ministerium pr√ľft, ob Lufthansa-Tochter Wartungsfehler gemacht hat
Der oberste Ermittler der Bundeswehr soll nun untersuchen, ob es systemische Probleme bei der Instandhaltung der Jets durch eine Tochter der Lufthansa gibt.















Ralf Hirschberger / DPA

A340 Regierungsflieger "Konrad Adenauer" der Luftwaffe.














Samstag, 20.04.2019  

22:40 Uhr




Nach der gefährlichen Bruchlandung eines Regierungsfliegers Anfang der Woche in Berlin-Schönefeld lässt Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen untersuchen, ob es systemische Probleme bei der Wartung der sogenannten Weißen Flotte durch eine Tochter der Lufthansa gibt. Bereits am Mittwoch wurde deswegen der General Flugsicherheit angewiesen, den Unfall vom Dienstag aber auch mehrere andere Vorfälle der vergangenen Monate genau zu untersuchen.




Bei der Untersuchung durch den obersten Flugermittler der Bundeswehr geht es um die Frage, ob bei der externen Wartung der Regierungsjets nicht mit der nötigen Sorgfalt gearbeitet wurde. So vermuten die Ermittler bereits jetzt, dass die massiven Probleme eines Regierungsfliegers vom Typ "Global 5000" am Dienstag durch eine falsche Verkabelung der Spoiler an den Tragflächen des Jets ausgelöst wurden.


Gefährliche Schräglagen


Da der Business-Jet direkt aus der Wartung durch Lufthansa Bombardier Aviation Services kam, liegt die Vermutung nahe, dass dort nicht sorgf√§ltig gearbeitet wurde. Die falsche Justierung der Spoiler war extrem gef√§hrlich. So gerieten die Piloten schon in der Luft in gef√§hrliche Schr√§glagen, es kam sogar zu einem Str√∂mungsabriss. Bei der Notlandung dann verfehlte der Jet die Landebahn, schlitterte √ľber den Rasen und wurde massiv besch√§digt.
Es ist nicht das erste Mal, dass es Zweifel an der Wartung der Regierungsflieger durch die Lufthansa gibt. So kam auch der Jet, dessen Anti-Blockier-System bei einem USA-Flug von Bundesaußenminister Heiko Maas versagte, direkt aus der Wartung durch die Lufthansa. Der Vorfall endete zwar glimpflich. Allerdings stellte sich später heraus, dass die Lufthansa ausgerechnet das fehlerhafte Fahrwerk bei der Wartung ausgetauscht hatte.



Nach dem Pannen-Flug ging der A340 umgehend wieder nach Hamburg zur Technik-Abteilung der Lufthansa und wurde umfangreich gecheckt. Schon beim R√ľckflug zur Basis der Flugbereitschaft aber gab es erneut Probleme am gleichen Fahrwerk, wieder blockierte das sogenannte Anti-Skid-System, das √§hnlich wie beim Auto das Blockieren der Reifen beim Aufsetzen von Verkehrsflugzeugen verhindern soll.


Lässt die Regierung die drei neuen Regierungsflieger vom Typ A350 umbauen?
Noch brisanter war ein Lapsus der Lufthansa Technik bei einer General√ľberholung des A340 im Jahr 2010. Damals wurde in den gr√∂√üten Regierungsflieger ein neues Kommunikationssystem eingebaut, die Flugbereitschaft der Bundeswehr wurde aber nicht wie vorgesehen √ľber den Wechsel informiert.
Beim Pannen-Flug der Bundeskanzlerin im November 2018 zum G20-Gipfel nach Argentinien sorgte dies daf√ľr, dass die Piloten nicht angemessen auf einen Stromausfall innerhalb der Bordelektronik reagieren konnten. Normalerweise h√§tten sie den Kurzschluss leicht √ľberbr√ľcken k√∂nnen. Ohne das wichtige Update des Bordhandbuchs aber fiel das komplette Kommunikationssystem aus und sie mussten nach K√∂ln zur√ľckkehren, die Kanzlerin musste am Ende Linie nach Buenos Aires fliegen.
Lufthansa Technik hatte sich damals auf die Formalie zur√ľckgezogen, dass die Information √ľber den Austausch des Systems nicht verpflichtend war. Eine entsprechende SPIEGEL-Meldung √ľber den Fehler bei der Wartung hatte der Konzern dann mit dem allgemeinen Hinweis kommentiert, man halte sich an die Vorschriften im Luftverkehr. Die Aussage war damals von vielen Medien als Dementi interpretiert worden.
F√ľr Lufthansa Technik ist die Untersuchung der Bundeswehr mehr als unangenehm. Die Tochter der deutschen Airline gilt als Premium-Dienstleister beim lukrativen Ausbau von Flugzeugen zu fliegenden Luxus-Tempeln. Neben der Flugbereitschaft der Bundeswehr bedient das Unternehmen vor allem reiche Kunden aus aller Welt, die sich Flugzeuge in fliegenden Wohnungen mit allen Extras umbauen lassen.



Zudem d√ľrften die Recherchen Einfluss darauf haben, ob die Bundeswehr auch die drei neuen Regierungsflieger vom Typ A350 umbauen wird oder nicht. Wegen des Alters der sogenannten Wei√üen Flotte hatte die Bundesregierung sehr spontan die Bestellung der drei neuen Jets auf den Weg gebracht, der erste soll schon Ende 2020 ausgeliefert und dann mit einer VIP-Kabine ausgestattet werden.
Bei Lufthansa Technik war zunächst keine Stellungnahme zu den Zweifeln an der korrekten Wartung der Regierungsflieger zu bekommen. Der Sprecher des Unternehmens ließ entsprechende SPIEGEL-Anfragen vom Freitag unbeantwortet.