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Hongkong: Schwerverletzte nach Angriff von Schlägertrupps auf Demonstranten
SPIEGEL
Mon, 22 Jul 2019 06:35

Hongkong: Schwerverletzte nach Angriff von Schlägertrupps auf Demonstranten

SPIEGEL
Mon, 22 Jul 2019 06:35

Mit Stöcken und Eisenstangen sind Angreifer auf Demonstranten in Hongkong losgegangen.

Hongkong: Schwerverletzte nach Angriff von Schlägertrupps auf Demonstranten
Ein Mensch schwebte in Lebensgefahr, Dutzende sind verletzt. Die Polizei soll erst nach mehr als einer Stunde eingeschritten sein.















Tyrone Siu/ REUTERS

Mutmaßliche Angreifer nahe der Bahnstation Yuen Long














Montag, 22.07.2019  

07:35 Uhr




Männer in weißen T-Shirts haben am Sonntagabend an der Hongkonger Bahnstation Yuen Long regierungskritische Demonstranten angegriffen. Videos, die in sozialen Netzwerken dazu kursieren, zeigen, wie die Männer mit Gegenständen auf Menschen einschlagen, die Mundschutz, vereinzelt Helme und Regenschirme tragen - die typische Ausrüstung der Demonstranten in Hongkong.






Auch in Zügen soll es zu Angriffen der Männer in weißen T-Shirts gekommen sein, die mit Stöcken und Eisenstangen bewaffnet waren, wie die Aufnahmen zeigen. Bei den Attacken wurden 45 Menschen verletzt. Sechs Menschen erlitten schwere Verletzungen, einer von ihnen schwebte in Lebensgefahr.




Am Sonntag waren in der chinesischen Sonderverwaltungszone wieder Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen. Sie fordern unter anderem demokratische Reformen, ein allgemeines Stimmrecht und den Rücktritt der Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam.
Noch ist nicht klar, wer die Schlägertrupps aussendete oder wie sie sich organisierten. Nach dem Vorfall wurden Männer gesehen, die den Ort in Autos mit Kennzeichen von Festland-China verließen. Der Bahnhof Yuen Long liegt unweit der Grenze zwischen Hongkong und dem chinesischen Festland.


Mitglieder krimineller chinesischer Banden sollen verantwortlich sein



Die Reaktion der Polizei sorgt inzwischen für Kritik. Die Demonstranten werfen den Sicherheitskräften vor, trotz dramatischer Hilferufe der Angegriffenen erst nach mehr als einer Stunde eingetroffen zu sein. Die Beamten nahmen die in weiße T-Shirts gekleideten Angreifer dann auch nicht fest, obwohl diese sich weiterhin in den Straßen nahe des Bahnhofs aufhielten. In einer Stellungnahme verurteilte die Polizei allerdings die Angriffe. Auf einem Video ist zu sehen, wie Polizeitrupps eine Gruppe der Männer in weißen T-Shirts unbeachtet lassen:


Der bekannte Demokratie-Aktivist Nathan Law schrieb bei Twitter, wenn "chinesische Mobs" Bürger angreifen würden, greife die Polizei nicht ein. "Schande über die Regierung." Der bei der Attacke verletzte Abgeordnete Lam Cheuk Ting kritisierte die Polizei ebenfalls. Er machte für den Angriff Mitglieder krimineller chinesischer Banden, der sogenannten Triaden, verantwortlich.
Mit der Attacke des Schlägertrupps hat sich der politische Konflikt in Hongkong stark zugespitzt. Es wachsen die Sorgen, dass sich die Triaden in die politische Auseinandersetzung in der chinesischen Sonderverwaltungszone einschalten könnten. Bereits 2014 hatte es gewaltsame Attacken auf Demonstranten der "Regenschirm"-Demokratiebewegung gegeben.


Vorwurf: Unverhältnismäßiger Einsatz von Gewalt
Schon zuvor war es am Sonntag bei den weitgehend friedlichen Demonstrationen zu Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. Maskierte Demonstranten hatten das Gebäude der chinesischen Vertretung mit Eiern beworfen, zunächst schritten die Sicherheitskräfte aber nicht ein. Später stürmte die Polizei den Platz vor dem Gebäude und drängte die Demonstranten zurück.



Dann eskalierte die Lage: Einsatzkräfte gingen mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die Demonstranten vor, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.
Demonstranten und Menschenrechtsgruppen hatten den Einsatzkräften in der Vergangenheit einen unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt vorgeworfen. Vergangenen Sonntag waren bei Zusammenstößen 28 Menschen verletzt worden.