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Schlachtfeld bei Waterloo: Kanonenkugel verrät, wie nah Napoleon dem Sieg war
SPIEGEL
Mon, 22 Jul 2019 14:30

Schlachtfeld bei Waterloo: Kanonenkugel verrät, wie nah Napoleon dem Sieg war

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Mon, 22 Jul 2019 14:30

Die Niederlage von Waterloo besiegelte im Juni 1815 das Ende der Herrschaft Napoleons.

Schlachtfeld bei Waterloo: Kanonenkugel verrät, wie nah Napoleon dem Sieg war
Neue archäologische Funde zeigen, wie blutig die Schlacht war - und wie die Geschichte beinahe anders ausging.















REUTERS / Johanna Geron

Feld bei Waterloo: Drei Kilogramm schwere Kanonenkugel gefunden














Montag, 22.07.2019  

15:30 Uhr




Waterloo - der Name dieses heute zu Belgien gehörenden Dorfes ist zur Chiffre für ein katastrophales Scheitern geworden. Der französische Kaiser Napoleon Bonaparte erlebte dort am 18. Juni 1815 seine letzte und entscheidende militärische Niederlage. Er hatte seine Truppen in einen Kampf gegen die alliierten Armeen unter der Führung des britischen Generals Wellington und seines preußischen Kollegen von Blücher geschickt.




Ein archäologischer Fund auf dem damaligen Schlachtfeld erinnert nun daran, dass Napoleon damals wohl nur knapp einen Sieg verfehlt hat. Es handelt sich um eine drei Kilogramm schwere Kanonenkugel, die in der Nähe eines früheren Feldlazaretts ausgegraben wurde - 600 Meter hinter den Linien der Alliierten.


Die Kugel wurde nach Ansicht der Archäologen zu einem Zeitpunkt der Schlacht abgefeuert, in dem die Franzosen die Oberhand über ihre Gegner hatten. Am Abend des 18. Juni 1815 hatten Napoleons Leute nach stundenlangen Versuchen den strategisch wichtigen Gutshof La Haye Sainte erobert. Dadurch war es ihnen möglich, ihre von Pferden gezogenen Kanonen auf dem Schlachtfeld weiter nach vorn zu bringen und die Briten zu attackieren. Diese wiederum konnten nicht zum Gegenangriff übergehen, weil sich ihre Soldaten in nur langsam aufzulösenden Verteidigungsformationen befanden.



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Forscher Tony Pollard von der University of Glasgow erklärte, die Franzosen hätten den Briten mit Hilfe dieser Kanonen starke Verluste zugefügt. Es habe die Gefahr bestanden, dass Wellingtons Linien durchbrochen werden.


Der Einsatz britischer Schützen gegen die französischen Kanoniere, vor allem aber das Eintreffen der preußischen Truppen, verhinderten am Ende dennoch den französischen Sieg - und Waterloo markierte Napoleons Ende.


Feldärzte amputierten Soldaten Gliedmaßen
Die Archäologen der Organisation Waterloo Uncovered, zu deren Team auch Armeeveteranen aus Großbritannien gehören, fanden bei ihrem aktuellen Grabungsprojekt auch Dutzende Gewehrkugeln. Diese zeigten, wie umkämpft die Gegend um das Feldlazarett war, so die Forscher. Allein innerhalb eines Tages seien 58 Kugeln gefunden worden. Außerdem entdeckten die Wissenschaftler Knochenfragmente, die belegen, dass Feldärzte verletzten Soldaten Gliedmaßen amputieren mussten. Forscher Pollard erklärte, man habe drei Beinknochen gefunden, einer von ihnen weise Spuren einer Säge auf.
Bei der Schlacht von Waterloo hatten Zehntausende Menschen ihr Leben verloren. Napoleon musste nach seiner Niederlage zurücktreten und wurde auf die abgelegene Insel St.Helena im Südatlantik verbannt. Dort starb er im Mai 1821.