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Kriselnder Tourismuskonzern: Thomas Cook bittet angeblich um Staatshilfen
SPIEGEL
Sat, 21 Sep 2019 16:08

Kriselnder Tourismuskonzern: Thomas Cook bittet angeblich um Staatshilfen

SPIEGEL
Sat, 21 Sep 2019 16:08

Vor nicht einmal einem Monat hat der Reiseveranstalter Thomas Cook sich 900 Millionen Pfund gesichert.

Kriselnder Tourismuskonzern: Thomas Cook bittet angeblich um Staatshilfen
Doch das Rettungspaket scheint nicht zu reichen. Medienberichten zufolge bat der Konzern um Staatshilfen.















picture alliance/dpa

Die Flüge finden laut Thomas Cook normal statt














Samstag, 21.09.2019  

17:08 Uhr




Der britische Reiseveranstalter Thomas Cook hat Medienberichten zufolge die Regierung in London um Finanzhilfe gebeten. Das berichteten die Fernsehsender BBC und Sky News.




Die Thomas-Cook-Führung um Konzernchef Peter Fankhauser arbeitet mit Banken und Investoren seit Monaten an einem Rettungspaket von inzwischen 1,1 Milliarden britischen Pfund (1,25 Mrd Euro). Dem Konzern droht, bald das Geld auszugehen.


"Es wird weiter hart verhandelt", sagte ein Konzernsprecher, äußerte sich aber nicht zu Details. Geplant sei weiterhin, die Rekapitalisierung bis Mitte Oktober umzusetzen.


Flüge sollen weiterhin stattfinden
Gleichzeitig versucht Thomas Cook, verunsicherte Urlauber zu beruhigen. "Flüge der Thomas Cook Airlines sind davon nicht betroffen und finden normal statt", twitterte das Unternehmen.



Die Rekapitalisierung des Unternehmens mit Marken wie Neckermann Reisen und der Fluglinie Condor solle finanzielle Stabilität bringen. Die konzerneigenen Fluggesellschaften gelten als Gewinnbringer von Thomas Cook. Sorgen macht vor allem das britische Veranstaltergeschäft.
Sky News zufolge schließt die britische Regierung einen Staatskredit für Thomas Cook zwar nicht aus, sieht diese Option aber in weiter Ferne. Der Konzern hatte am Freitag bestätigt, dass er zusätzlich zu dem ausgehandelten Rettungspaket von 900 Millionen Pfund versucht, weitere 200 Millionen Pfund für die reise- und daher finanzschwache Wintersaison zu bekommen.


Geldgeber abgesprungen
Insidern zufolge haben beteiligte Banken, darunter die Royal Bank of Scotland, diesen Puffer gefordert. Ein Hedgefonds, der als Geldgeber im Spiel war, sei jedoch inzwischen abgesprungen, meldete Sky News. Auch über einen schnellen Verkauf des Nordeuropa-Geschäfts werde wieder nachgedacht, um dem Konzern frisches Geld zu beschaffen.
Zum Ende der Sommersaison befinden sich noch immer Hunderttausende Kunden mit Thomas Cook in Urlaub. Laut Medienberichten sollen es 600.000 sein, davon etwa 150.000 aus Großbritannien. Bei einer Insolvenz müssten sie mit großem Aufwand zurückgeholt werden.



Während bei Pauschalreisenden aus Deutschland im Fall einer Insolvenz des Veranstalters ein Versicherer einspringt, bezahlt in Großbritannien der Staat für die Rückholung gestrandeter Urlauber aus dem Ausland. Daher müsste die britische Regierung im Fall einer Insolvenz des Konzerns Medienberichten zufolge mit Kosten in Höhe von mehreren hundert Millionen Pfund rechnen.
Thomas Cook war in den vergangenen Jahren immer wieder in Schieflage geraten. Bereits Jahr 2012 retteten mehrere Banken den Konzern nach immensen Abschreibungen auf das britische Geschäft und IT-Systeme mit frischem Geld vor dem Untergang. Auch dadurch sitzt Thomas Cook auf einem Schuldenberg in Milliardenhöhe und leidet unter der hohen Zinslast.