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"Dreiklangsdimensionen": Bodo Staiger von Rheingold ist tot
SPIEGEL
Tue, 10 Dec 2019 18:01

"Dreiklangsdimensionen": Bodo Staiger von Rheingold ist tot

SPIEGEL
Tue, 10 Dec 2019 18:01

Mit Rheingold spielte er zu NDW-Zeiten elektronische Musik in Düsseldorfer Tradition.

"Dreiklangsdimensionen": Bodo Staiger von Rheingold ist tot
Im Film stellte ihm Désirée Nosbusch nach, in Ghana verehrte man ihn als Studiotüftler. Nun ist Bodo Staiger gestorben.















ddp images

Bodo Staiger im Film "Der Fan" von 1981














Dienstag, 10.12.2019  

19:01 Uhr




Zu Ruhm und Rampenlicht hatte Bodo Staiger ein ambivalentes Verhältnis. Als der Düsseldorfer mit der Band Rheingold zu Beginn der Achtzigerjahre seinen wohl größten Hit "Dreiklangsdimensionen" landete, lehnte er den damals obligatorischen Auftritt in der ZDF-"Hitparade" kategorisch ab.




Die Leute von der für Rheingold verantwortlichen Plattenfirma sollen getobt haben, und vermutlich hätte ein Besuch in der Rentner-Revue von Dieter Thomas Heck die Umsätze von "Dreiklangsdimensionen" auch nachhaltig beflügelt. Aber Staiger ließ sich nicht umstimmen: Das wäre "wie Verrat" gewesen, gab er später zu Protokoll.


Auch wenn sein Name nur Spezialisten aufhorchen ließ, sorgte Bodo Staiger einige Male für Aufsehen in der deutschen Popkultur. Und alles, woran er beteiligt war, war ziemlich weit weg von allem, wofür Hecks "Hitparade" stand. Der 1949 in Düsseldorf geborene Musiker schmiss mit 15 das Gymnasium, absolvierte eine Lehre zum Goldschmied, um dann letztlich beim RocknRoll zu landen. Damals in den Sechzigern war der Beat-Boom aus dem Vereinigten Königreich schließlich auch in Düsseldorf angekommen, und Staiger landete in einer Band mit dem vielversprechenden Namen Harakiri Whoom, in der auch ein gewisser Marius Müller-Westernhagen mit an Bord war.
Mit scheppernden Coverversionen von Rolling-Stones-, Hendrix- und Small-Faces-Songs sorgten die Knaben im Großraum Düsseldorf dann für soviel Furore, dass der WDR einen ihrer Auftritte filmte und tatsächlich verwendete. Nachdem der Beat-Trubel abgeklungen war, startete Staiger mit dem späteren Kraftwerk-Mann Karl Bartos eine experimentelle Jazzrockband namens Sinus. Damals lernte er auch den legendären deutschen Produzenten Conny Plank kennen, der auch die Rockband Lilac Angels betreute, der sich Staiger Mitte der Siebziger angeschlossen hatte.



Die Düsseldorfer Musikszene der Siebzigerjahre gilt im Popuniversum längst als Weltkulturerbe. Da zauberten abenteuerlustige Pioniere wie Kraftwerk, Neu!, La Düsseldorf oder Wolfgang Riechmann einen kühnen Mix aus Elektronik, Pop und Avantgarde, der später von Künstlern wie Propaganda, DAF oder Die Krupps weitergeführt wurde. Conny Plank war so etwas wie die graue Eminenz dieser aufregenden Szene. Kein Wunder, dass der visionäre Produzent dann auch Rheingold im Studio zur Hand ging.


Neue deutsche Welle? Ein Missverständnis
Bodo Staiger hatte sich zu Beginn der Achtziger auch mit Synthesizern und Drummachine ausgestattet und mit Lothar Manteuffel und Brigitte Kunz das Trio Rheingold aus der Taufe gehoben. Die klangen wie das geballte elektronische Düsseldorf, also nach unterkühltem Pop und weiter, cooler Welt. Was sie eben auch Conny Plank zu verdanken hatten. So kamen sie flugs bei einem großen Label unter und landeten mit "Dreiklangsdimensionen" auch einen großen Hit, der dann der sogenannten Neuen Deutschen Welle zugeordnet wurde, was letztlich ein Missverständnis war, das Staiger nicht glücklich machte.
Aber dem Rummel um diese neue deutsche Musik hatten Rheingold dennoch viel Aufmerksamkeit zu verdanken, die letztlich auch dazu führte, dass Bodo Staiger neben Désirée Nosbusch eine Hauptrolle in dem seltsamen Kunst-Horror-Film "Der Fan" angeboten wurde, die er annahm. Darin spielt er einen Musiker, dem eine Stalkerin nachstellt - Nosbusch, die ihn nach schnellem Sex schließlich tötet, zerlegt und verspeist. Weil Nosbusch da ziemlich nackt rumturnt, wollte sie eine Veröffentlichung verhindern, was scheiterte und dem Film noch mehr PR verschaffte. Den Soundtrack lieferten selbstverständlich Rheingold. Aber nach dem dritten Album war dann erst mal Schluss.



Da hatte sich Bodo Staiger längst sein eigenes Studio namens Rheinklang eingerichtet, in dem er in angenehmer Abgeschiedenheit Künstler aus aller Welt betreute. In der jüngeren Vergangenheit hatte er sich insbesondere auf Musik aus Ghana spezialisiert. Vor zwei Jahren erschien dann ein letztes Rheingold-Album, das aber kaum bemerkt wurde.
Aber an Ruhm schien der Hauptdarsteller eben letztlich auch nie wirklich interessiert. Nun ist Bodo Staiger unter noch ungeklärten Umständen verstorben.