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In Buchmanns Schatten: Kämna wird Sechster
KICKER.DE
Sun, 21 Jul 2019 19:15

In Buchmanns Schatten: Kämna wird Sechster

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Sun, 21 Jul 2019 19:15

Emanuel Buchmann sorgt bei den deutschen Radsport-Fans für Träume bei der Tour de France.

In Buchmanns Schatten: Kämna wird Sechster
Dass mit Lennard Kämna ein anderes deutsches Toptalent in Frankreich ebenfalls seine Klasse unter Beweis stellt, geht fast ein bisschen unter. Am Sonntag lieferte Kämna erneut einen Beweis seiner Klasse ab - und hatte anschließend eine originelle Erklärung parat.Nutzte das Wetter aus und glänzte als Sechster: Lennard Kämna. picture alliance
Es herrschte ein richtiges Schietwetter, wie es der in Wedel bei Hamburg geborene Kämna wohl ausdrücken würde. Am Ende der 185 Kilometer von Limoux nach Foix Prat aAlbis regnete es Bindfäden, was einigen Profis sichtlich nicht behagte.
Nicht so Kämna. Der immer noch erst 22-Jährige blühte so richtig auf und wurde mit einem Rückstand von nur 1:03 Minuten auf Tagessieger Simon Yates am Ende hervorragender Sechster. "Für mich ist das perfekt als Norddeutscher, ich mag so ein Wetter", gestand Kämna nach seinem Parforceritt am Mikrofon bei der ARD ein. "Hätte es heute 35 Grad gehabt, wäre ich wahrscheinlich nicht Sechster geworden, deshalb: Danke wunderbarer Regen."
Hätte es heute 35 Grad gehabt, wäre ich wahrscheinlich nicht Sechster geworden, deshalb: Danke wunderbarer Regen.
Lennard Kämna
Kämna profitiert bei seinem Tour-Debüt auch von den personellen Rückschlägen Sunwebs. So fehlt der eigentliche Kapitän und letztjährige Zweite Tom Dumoulin wegen einer Knieverletzung. Und Klassementfahrer Wilco Keldermann ist außer Form und derzeit kein Mann für vordere Plätze. So verschob sich die Zielsetzung Sunwebs weg vom Klassement, was für die Fahrer mehr Freiheit mit sich bringt. "Es wurde mir erlaubt, vorne mitzufahren, ich habe die Karte für freie Fahrt bekommen", sagte Kämna. Der die Chance nutzte und am Ende etliche Topfahrer wie unter anderem Titelverteidiger Geraint Thomas abhängte. "Ich bin super, super zufrieden, wie es gerade am Ende gelaufen ist. Es war gut, dass ich ein paar Kilometer mit Buchmann fahren konnte und Sechster geworden bin", sagte Kämna.

Kämnas Leistung ist umso höher zu bewerten, da er Teil jener Ausreißergruppe war, die lange Zeit das Geschehen am Sonntag bestimmte. "Die gesamte Gruppe war mit vielen guten Fahrern besetzt, daher bin ich sehr stolz darauf, dass ich aus dieser Gruppe Zweiter werden konnte", strahlte Kämna im Ziel. Nur Tagessieger Simon Yates lag im Ziel von den Ausreißern noch vor ihm. Hätte Kämna in der Gruppe der Favoriten seine Kräfte geschont, wäre am Ende vielleicht noch mehr drin gewesen.

Auszeit als genau richtige Entscheidung

Dennoch - Kämna ist wieder in der Weltspitze angekommen. Von dieser war er vor Jahresfrist weit entfernt. Wegen Krankheiten und Infekten zu Beginn des Jahres 2018 fiel er zunächst in ein Leistungs- und anschließend in ein Motivationsloch. Sein Team Sunweb nahm ihn letztendlich als "Vorsichtsmaßnahme" aus dem Rennbetrieb. Statt wie geplant sein Debüt auf den Straßen Frankreichs zu feiern, dachte Kämna "über seine langfristigen Karriereziele nach". Bis dahin ging es für das Toptalent eigentlich nur bergauf. Bereits im Juniorenbereich feierte Kämna große Erfolge, wurde unter anderem 2014 Junioren-Weltmeister im Zeitfahren. Auch sein Start bei den Profis verlief fulminant, Kämna avancierte schnell zum künftigen deutschen Rundfahrtstar und wurde schon als Nachfolger von Jan Ullrich gehandelt. Vielleicht ging alles auch ein wenige zu schnell für Kämna. Jedenfalls erwies sich im Nachgang die Pause als genau richtige gute Entscheidung. Denn Kämna konnte sich nicht nur in Ruhe auskurieren, sondern auch sich und sein Umfeld "neu sortieren".

Bis zu 40 Grad: Kämna kann wohl nicht mehr auf das Wetter hoffen

Ende August 2018 kehrte er in die WorldTour zurück - und das nicht nur mit ein paar Kilogramm mehr auf den Rippen. Vielmehr zeigte er sich gereifter und fokussierter. Nach und nach holte er sich die Wettkampfhärte zurück und löste mit Rang 17 bei der Tour de Suisse das Ticket zur Tour. Bei der er nun drauf und dran ist, noch mehr positive Schlagzeilen zu schreiben. Allerdings kann er dabei wohl nicht mehr auf Unterstützung durch das Wetter setzen. Denn für die letzte Tourwoche sind für Frankreich Temperaturen von stellenweise an die 40 Grad vorhergesagt.